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25.08.2022

ESG und europäische Unternehmensanleihen: Keine Ertragseinbußen bei verbessertem ESG-Profil in Bond-Portfolios

Die Bayes Business School untersuchte Auswirkungen der Integration von ESG-Überlegungen in ein Portfolio europäischer Unternehmensanleihen. Die Studie zeigt, dass die Verbesserung des ESG-Profils eines festverzinslichen Portfolios nicht zu einer Verschlechterung der risikobereinigten Performance der Corporate Bond-Portfolios führt.

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© cardephotography/fotolia.com

Die Studie der Bayes Business School (ehemals Cass), die vom Vermögens- und Risikomanager Insight Investment in Auftrag gegeben wurde, hat ergeben, dass die Verbesserung des Umwelt-, Sozial- und Governance-Profils (ESG) eines europäischen Rentenportfolios die Performance in den letzten zehn Jahren nicht beeinträchtigt hat, wobei Tilts die Performance am Rande verbesserten und kontroverse Sektoren in der Vergangenheit kaum Auswirkungen hatten.

In der Studie analysiert wurden Auswirkungen von ESG-Faktoren auf die Wertentwicklung von Portfolios europäischer Unternehmensanleihen zwischen 2012 und Ende 2021. Für die Untersuchung wurden die Bestandteile des iBoxx EUR Corporates Bond Index von IHS Markit mit ESG-Daten von Refinitiv überlagert, um die Portfoliozusammensetzung während des gesamten Untersuchungszeitraums zu ermitteln. Es wurden drei Konstruktionsmethoden verwendet: Quintil-Ranking der Komponenten, Portfolio-Tilts und kontroverse Sektorausschlüsse.

Und das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Höhere ESG-Rankings verbesserten die risikobereinigten Renditen über den gesamten Zehnjahreszeitraum. Isoliert betrachtet schnitten die einzelnen ESG-Faktoren jedoch unterschiedlich ab, wobei die Portfolios des obersten Quintils die Portfolios des untersten Quintils bei der Umweltbewertung übertrafen, während die kumulative sektorbereinigte Performance für das unterste Quintil höher war als für das oberste Quintil. Die Ergebnisse bei der alleinigen Betrachtung der sozialen Aspekte waren uneinheitlich, und die Ergebnisse bei der alleinigen Betrachtung der Governance waren nicht signifikant.
  • ESG-Tilts hätten in der Vergangenheit die Performance am Rande verbessert. Die Untergewichtung von ESG-Wertpapieren mit niedrigem Rang und die Übergewichtung von ESG-Wertpapieren mit hohem Rang zur Verbesserung des ESG-Gesamtergebnisses haben die Risiko-Rendite-Eigenschaften des Portfolios im Vergleich zum Referenzportfolio nicht wesentlich verändert.
  • Der vollständige Ausschluss kontroverser Sektoren hatte keine nennenswerten Auswirkungen auf die Wertentwicklung der Portfolios. Der Ausschluss von Wertpapieren aus den Sektoren Tabak, Bergbau, Verteidigung, Öl und Gas führte immer noch zu statistisch ähnlichen Ergebnissen, die mit denen des Referenzportfolios identisch waren.
  • Die Verbesserung der ESG-Eigenschaften reduziert das Tail-Risiko eines Portfolios. Es wurde festgestellt, dass eine ESG-freundlichere Mischung von Wertpapieren Schutz vor der Gefahr extrem negativer Ergebnisse bietet.
  • Insgesamt deutet die Studie darauf hin, dass Anleger durch die Einbeziehung von ESG-Aspekten in ihre Anlageentscheidungen bei festverzinslichen Wertpapieren in den letzten zehn Jahren nicht verloren haben.

ESG-Aspekte gewinnen für Investoren immer mehr an Bedeutung 

Nach Aussage der Studienautoren haben die Forschungsergebnisse Auswirkungen auf Investoren und Fondsmanager, die ESG-Aspekte in ihre Portfolios einbeziehen wollen, ohne dabei Verluste zu erleiden. In den letzten Jahren haben Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte für Investoren immer mehr an Bedeutung gewonnen, da die Gesetzgebung und das Interesse der Stakeholder zunehmen. Da es jedoch nur sehr wenige unabhängige Untersuchungen in diesem Bereich gibt, könnten Anleger befürchten, dass die Anwendung von ESG bei festverzinslichen Wertpapieren der Performance schadet, vermuten die Studienautoren, deren Untersuchung nahe legt, dass dies nicht der Fall sein muss und dass eine stärkere Betonung von ESG – wenn überhaupt – ihre risikobereinigten Renditen in den letzten zehn Jahren im Großen und Ganzen verbessert hätte. Dies dürfte Investoren und Anlageverwaltern, die in ihren Anlageportfolios auf starkes Umweltbewusstsein, Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und eine robuste Governance-Struktur Wert legen möchten, eine große Ermutigung bieten, so der Rat der Studienautoren, die betonen, wie wichtig es ist, den Zweck und die Grenzen von ESG-Daten zu kennen. Sie fordern, dass die Qualität von ESG-Daten viel schneller als bisher reifen müsse.

ESG-Themen wichtige Faktoren für den Investitionswert

Seit langem sei klar, dass ESG-Themen wichtige Faktoren für den Investitionswert sein können. Die mangelnde Konsistenz in der Qualität und Methodik der Datenanbieter sowie die erheblichen Datenlücken im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere seien nach wie vor eine Quelle der Frustration für uns als Anleger. Man wünsche sich eine stärkere Standardisierung der von den Unternehmen veröffentlichten ESG-Daten wünschen, die dann an Aggregatoren und Rating-Anbieter weitergeleitet werden, insbesondere in den Bereichen, die für die Entscheidungsfindung am wichtigsten sind. Letztlich würde eine stärkere unabhängige Überprüfung der veröffentlichten Daten zu mehr Transparenz beitragen, so das Fazit der Studienautoren.

Das Arbeitspapier „ESG investing and corporate bond portfolios“ ist hier verfügbar.

(Pressemitteilung Bayes Business School vom 19.07.2022)